8. Dezember…

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Uiuiui heute sind wir bissl spät dran. Dafür gibt es aber heute auch eine laaaaange Geschichte! Heidi hat uns zwar gebeten ihre Geschichte zu überarbeiten oder zu kürzen, aber obwohl wir auch gerne bei Texten helfen, wollte ich hier nichts kürzen oder ändern, denn es ist sehr authentisch geschrieben und ich denke, dass man die vielen Aufs und Abs eines mal mehr und mal weniger kranken Menschens hier besonders gut nachvollziehen kann. Und wenn man sieht wie gut es Heidi und ihrer Familie heute geht, dann ist das einfach nur wunderschön! Also Vorhang auf für Heidi und ihre wunderbare Familie:

Ich freue mich, hier überhaupt mitmachen zu können, denn vor fast genau 17 Jahren hatte das schon mal anders ausgesehen.

Der Sommer 1999 war schon was ganz Besonderes! Wie es eben so ist mit 21 Jahren – ich hatte Spaß, traf mich mit meinen Freunden zum Ausgehen, hatte einen guten Job als Bürokauffrau in meiner Heimatgemeinde, war sportlich beim Mountainbiken oder Joggen und genoss einfach das Leben. Die gelegentliche Müdigkeit schob ich eher auf zu langes fortgehen oder auf die Arbeit, die mich müde macht. Da wir so einen traumhaften Spätsommer hatten, nahm ich mir eine Woche Urlaub um die warmen Sonnentage am Mondsee noch zu genießen. Doch bereits am Anfang dieser Woche bekam ich Schmerzen unterhalb der Brust – so in der Magen-Gegend und ging daher zum Arzt. Mit Medikamenten gegen Gastritis sollte das nach ein paar Tagen besser werden. Wurde es aber nicht! Ganz im Gegenteil – die Schmerzen wurden noch so stark, dass ich in der Nacht in die Notaufnahme ins Krankenhaus gefahren wurde. Dort wurden einige Untersuchungen gemacht, wobei ich bei der Röntgenaufnahme gleich mal wegkippte. Natürlich wurde ich stationär aufgenommen und eine Ärztin teilte mir ihre Vermutung mit, dass mit meiner Leber etwas nicht in Ordnung sei. Tags darauf wurden weitere Untersuchungen vorgenommen und mir wurde irgendwann gesagt, dass meine Lebervene verschlossen sei und diese mittels Ballondilatation gedehnt werden müsste. Aber dafür wäre die Uni Klinik in Innsbruck spezialisiert und dort würde ich auch am nächsten Tag hingebracht werden. Weiters wurde ich vom Arzt über die Risiken aufgeklärt bzw. könnte auch in weiterer Folge eine Lebertransplantation nötig sein – aber davon würde man nicht ausgehen.

Ich habe das alles gar nicht richtig realisiert. In diesem riesigen Klinikareal angekommen musste ich erst einige Untersuchungen machen, ehe ich in ein Zimmer kam. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir schon sehr schlecht und mein Bauchumfang hatte schon derart zugenommen, dass ich von meiner Hose nicht mal mehr den Reißverschluss zubrachte. Von den darauffolgenden Wochen weiß ich nicht mehr viel – ich hatte starke Schmerzen, konnte nichts mehr essen und auch nicht mehr alleine aufstehen. Die Wasseransammlung in den Beinen, am Bauch und in den Armen machte alles sehr beschwerlich – ich sah aus wie ein Michelin-Männchen und passte gerade noch in den Leibstuhl. (ca. 14 Tage vorher hatte ich ungefähr 53 kg!)

Mein Zustand verschlechterte sich täglich, Punktionen um das Bauchwasser wegzuleiten standen an der Tagesordnung, weitere Untersuchungen und unzählige Blutabnahmen. Die meiste Zeit war ich gar nicht mehr bei mir. Aber ich erinnere mich noch an die sehr, sehr netten Pfleger und Schwestern der Intensivstation, die sich wirklich sehr um mich kümmerten. Und an meine Familie, allen voran meine beiden Schwestern, die viele Tage und auch Nächte neben meinem Krankenbett verbrachten. Und an den Besuch des Pfarrers, der mir die „letzte Ölung“ verabreichte! (an dieser Stelle möchte ich betonen, dass dies nicht gerade sehr motivierend für einen sehr kranken Menschen ist, der ums Überleben kämpft! Da dachte ich „so jetzt ist es vorbei, es gibt keine Heilung“)

Ungefähr drei Tage nach der lebensrettenden Lebertransplantation wurde ich wach und wusste erst gar nicht, was eigentlich passiert war. Nicht nur, dass ich von einem Medikament, dass ich nicht vertragen hatte, nicht mehr reden konnte, musste ich auch das Gehen wieder lernen (ich war zu lange nur gelegen) Aber ich lernte wieder zu sprechen und auch das Gehen wurde von Tag zu Tag besser. 5 Wochen nach der Operation durfte ich nach Hause. Es schneite fette Schneeflocken! Ich liebe Schnee! Und die Weihnachtszeit.

Für’s erste geschafft – das Organ habe ich nicht abgestoßen und das Cortison konnte bald abgesetzt werden. Einzig die Gallengänge machten Probleme und mussten immer wieder aufgedehnt werden. Starker Juckreiz und Fieber sind die Begleiterscheinung. Und obwohl ich echt dankbar und glücklich war, überlebt zu haben und weiterleben zu dürfen, machte diese Sache mit den Gallengängen den Alltag oft unerträglich.

Bis ich dann – ca. 2 ½ Jahre nach der OP schwanger wurde! Die als Risiko eingestufte Schwangerschaft verlief ohne Komplikationen und mir ging es in dieser Zeit richtig gut. Unsere Tochter Vivienne kam als gesundes Baby zur Welt – wir freuten uns riesig und mit uns freute sich unsere Familie und auch die Ärzte waren glücklich (die hatten wahrscheinlich mehr Bedenken als ich – was gut so war)
Wenn da nicht die Gallengänge gewesen wären – 7 Jahre nach der LTX kam ich auf die Warteliste zu Retransplantation! Das Warten auf den Anruf hatte begonnen!

Während ich mit meiner besten Freundin gerade dabei war, unser Faschingskostüm zu nähen, kam nach 3 Jahren auf der Warteliste der Anruf! Dann ging alles wieder sehr schnell – wir holten noch unsere Tochter von einer Kindergeburtstagsfeier ab, weil ich mich bei ihr verabschieden wollte – man weiss ja nie – und mein Mann kam nach Hause. Gemeinsam wurden wir mit dem Rettungswagen in die 200 km entfernte Klinik gefahren (inklusive Geisterfahrer auf der Autobahn ) Nachdem die Tests und Kreuzprobe in Ordnung waren, konnten wir zu den Operationssälen gebracht werden. Es war mittlerweile Mitternacht geworden und es herrschte gespenstische Stille! Ich verabschiedete mich von meinem Mann und wurde in den OP gefahren. Komisches Gefühl aber ich war zuversichtlich und vertraute auf die Ärzte. Nach bereits 13 Tagen konnte ich diesesmal das Krankenhaus verlassen und es ging mir wunderbar! Kein Juckreiz mehr und auch kein Fieber. Ich konnte meine neue Lebensqualität kaum fassen und war sehr glücklich.

Ungefähr ein Jahr nach der 2. Transplantation wurde ich wieder schwanger. Doch leider verlief diese Schwangerschaft von Anfang an nicht ohne Probleme. Bluthochdruck machte mir ständig zu schaffen und obwohl ich in 3 Wochen-Abständen zur Kontrolle fuhr, wurde ich einige Tage nach einem Kontrolltermin – es war an einem Sonntagabend – von meinem Arzt angerufen, ich sollte doch nächsten Tag nochmals in die Klinik kommen. Bei der gyn. Ultraschalluntersuchung konnte kein Herzschlag unseres Baby‘s mehr festgestellt werden. Ich erstarrte und weinte nur mehr. Man sagte uns, dass ich unsere 22 Wochen alte Tochter Olivia zur Welt bringen müsste! Wie sollte ich das schaffen?

Einige Jahre sind jetzt vergangen – es geht uns gut. Mir geht es gut und meine Leber arbeitet ganz hervorragend. Wir sind stolz auf unsere mittlerweile 13 jährige Tochter Vivienne und haben unsere kleine Olivia immer in unseren Herzen!

Ich wünsche allen ein schönes Weihnachtsfest 2016 und viel Kraft allen, die sie benötigen! Alles kann gut werden – manches dauert einfach nur länger …

Viele liebe Grüße aus dem Salzkammergut in Oberösterreich!
Heidi

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