11. Dezember…

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Die heutige Geschichte hat uns Claudia geschickt. Sie zeigt uns wie schmal der moralische Grat bei der Organspende sein kann, aber auch ihr Leben wurde durch das selbstlose und umsichtige Handeln einer Familie in großer Not gerettet. Man kann sich nur immer wieder vor unseren Spendern und deren Angehörigen verneigen. Umso wichtiger ist, dass wir unser zweites Leben nutzen und auch immer wieder mal dran denken, ob wir mit dem was wir daraus machen hoffentlich der Größe dieses Geschenks gerecht werden. Aber wenn man die lebensfrohen Fotos von Claudia sieht, dann scheint das hier wohl der Fall zu sein 🙂

Herzlichen Glückwunsch zum 6. TX-Geburtstag, liebe Claudia!

2:30 Uhr. Irgendwo klingelt ein Telefon. Ich arbeite dieses Klingeln in meinen Traum ein. Irgendwo klingelt ein weiteres Telefon. Ich werde plötzlich hellwach, denn ein Anruf zu dieser nachtschlafenden Zeit kann nur eins bedeuten: Es geht los! „Frau Bocklage“, sagt eine mir wohlbekannte Stimme, „wir haben ein Spenderorgan für Sie! Allerdings gibt es eine Besonderheit, die Sie unbedingt wissen müssen.“ Sekundenschnelle Gedankenblitze, ich schlucke. „Es handelt sich hier um die Nieren eines sechzehn Monate alten Säuglings. Die Organe sind 6 – 7 cm groß, deshalb bekommen Sie auch beide, da nur eine Niere zu klein wäre.“ „Und warum rufen Sie dann ausgerechnet mich an?“ antworte ich entsetzt. Während meiner fast 15-jährigen „Dialysekarriere“ bin ich vielen dialysepflichtigen Kindern und Jugendlichen begegnet und es hat mich immer zutiefst traurig gemacht und bewegt, dass solch kleine zarte Körper und Seelen diese Behandlungen erdulden müssen, die für einen Erwachsenen schon schwer zu ertragen sind.

Auch wenn es verrückt klingt, so war ich doch dankbar, dass ich „schon“ 22 Jahre alt war, als ich 1996 aufgrund einer bis dato völlig unbekannten Autoimmunerkrankung von einen Tag auf den nächsten dialysepflichtig wurde. „Sie sind der einzige Mensch, zu dem diese Organe passen. Eurotransplant hat das mehrmals geprüft. Wenn Sie diese Organe ablehnen, bekommt sie niemand!“ Harte Worte. Es ist der 11. Dezember 2010. 14 Tage vor Weihnachten. Eine Mutter und ein Vater werden dieses Jahr Weihnachten ohne ihr Kind sein. Und im nächsten Jahr. Und im übernächsten auch…

Ich packe meine Sachen zusammen, rufe ein Taxi und mache mich auf die Reise. In den frühen Morgenstunden erreiche ich das Transplantationszentrum. Ich werde schon erwartet. Alles nimmt seinen Lauf… Das liegt jetzt sechs Jahre zurück. Ich werde jetzt nicht schreiben, dass es nicht immer einfach war oder dass es auch große gesundheitliche Probleme gab – das kennen und wissen wir alle. Viel schlimmer fand ich die Anschuldigungen und Vorwürfe, die ich mir noch im Krankenhaus anhören musste: „Wie konntest Du das nur annehmen? Da ist ein Kind gestorben!“ Das hörte ich von empörten Menschen, die mich schon mein halbes Leben kannten und wussten, dass ich eher noch weitere zehn Jahre zur Dialyse gegangen wäre als irgendjemandem etwas wegzunehmen!
Wenn man mich nach meiner Transplantation gefragt hat, habe ich lange verschwiegen, dass ich zwei Organe transplantiert bekommen habe. Ich bin den Diskussionen aus dem Weg gegangen. Nur meine Familie und engsten Vertrauten wussten davon. Heute ist das anders und ich trage meine kleinen Jungs, wie ich meine beiden Nieren nenne, stolz durchs Leben und sie tragen mich.

Mein allergrößter Respekt und Dank gilt den Eltern und der Familie dieses kleinen Zauberwesens. Ich kann noch nicht einmal annähernd beurteilen, wie es ist, ein Kind zu verlieren, die Organe freizugeben und damit anderen Menschen eine Zukunft zu schenken. Nach wie vor fehlen mir hier die Worte… Ich bin jeden Tag dankbar für das wunderbarste Weihnachtsgeschenk, dass ich je bekommen habe. Dankbar, dass es Menschen gibt, die in ihren schwersten Stunden, die Kraft und den Mut haben, so schwere Entscheidungen zu treffen. Und ich bin dankbar, dass es mir gut geht und ich hoffe, dass das noch ein Weilchen so bleibt.

Das Leben ist so schön! Nehmt euch nicht immer zu ernst, lacht viel, habt Spaß und denkt immer dran: wir leben nur einmal – zumindest erzählt man sich das so – darum ist es viel zu schade, sich mit Dingen zu beschäftigen, die einem zur Last werden. Und das Allerwichtigste: Gebt niemals auf! Ich wünsche Euch eine lichtvolle Adventszeit und ein schönes Weihnachtsfest! Seid lieb zueinander und bleibt so gut es geht gesund!

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