18. Dezember:

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Heute präsentieren wir Euch die Geschichte von Brigitte. Übrigens: wusstest ihr schon alle, dass es jedes Jahr Deutsche Meisterschaften für Transplantierte und Dialysepatienten gibt? Brigitte hat das Ding gerockt und steht mit ihrem neuen Herzen auch in Zukunft auf verschiedensten Sportplätzen! Wir wünschen schon jetzt für die nächsten Deutschen Meisterschaften alles Gute, und dass du dir den Traum von den Weltmeisterschaften erfüllst! 🍀💪🏻🏆

Hallo Ihr Lieben!

Mein Name ist Brigitte, bin mittlerweile 31 Jahre jung und seit zwei Jahren mit einem neuen Herzen gesegnet.

Meine Geschichte begann schon kurz nach der Geburt: Ich war sechs Wochen zu früh und kam erstmal auf eine Frühchenintensivstation in einem anderen Krankenhaus als ich geboren wurde; dort war zuerst noch alles in Ordnung. Zur Sicherheit kam ich bis zum errechneten Geburtstermin in einen Brutkasten, damit sich Herz und Lunge geschützt noch weiterentwickeln konnten. Doch nach wenigen Tagen lief ich blau an und reagierte nicht mehr auf jegliche Reize.
Die Ärzte überwiesen mich direkt an eine Kinderherzintensiv, wo bereits eine ausgeprägte Herzmuskelschwäche diagnostiziert wurde. Nach knapp drei Monaten und mit vielen Medikamenten wie z.B. Digitalis wurde ich dann endlich nach Hause entlassen.

Die Ursache der Herzmuskelschwäche konnte nicht nachvollzogen werden, daher tippte man auf einen Gen-Defekt und sagte meinen Eltern ich würde wohl im Laufe der Grundschulzeit versterben.

Doch widererwartend ging es mir in den folgenden Jahren besser, so dass ich sogar nach drei Grundschuljahren auf das hiesige private Gymnasium wechseln konnte. Auch viele der Medikamente konnte ich zwischenzeitlich absetzen.

In der fünften Klasse machte sich die DCM (Herzmuskelschwäche mit Vergrößerung des Herzens) wieder bemerkbar und eine Odyssee an Krankenhausaufenthalten und Tabletteneinstellungen begann. Trotz dessen habe ich weiter Sport gemacht, für eine kurze Zeit sogar Badminton und Handball im Verein.

Schlimm war es erst, als mir ein Arzt bei einer Untersuchung ins Gesicht sagte, dass ich eh nicht älter als 18 würde, so wie die Pumpfunktion aussähe; zu dem Zeitpunkt war ich 13.
Trotz allem habe ich, zwar mit Ehrenrunde und unendlichen Fehlstunden, 2005 mein Abitur bestanden und angefangen zu studieren ( Lehramt für Grund- ,Haupt- und Realschulen mit Mathe, Chemie und Physik).

Nachdem ich mein erstes Staatsexamen in Chemie schon in der Tasche hatte bekam ich innerhalb von drei Tagen erst eine Lungenembolie und dann einen Schlaganfall, bei dem ich halbseitig gelähmt war und nicht mehr sprechen konnte. Damit war das Studium erstmal zweitrangig geworden, denn der behandelnde Arzt meinte bei der Abschlussuntersuchung, dass mich jetzt nur noch eine Transplantation retten könne und ich zur Absicherung einen Defibrillator eingesetzt bekäme. Seit diesem Zeitpunkt, 2008, war ich Patientin im Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen und wurde langsam auf den letzten Schritt physisch und psychisch vorbereitet.

Von Januar bis Juni 2014 bestand mein Alltagsleben nur noch darin das Bett zu hüten, Krankenhaustaschen aus- und wieder einzupacken und die Arztberichte zu sammeln. Regelmäßig schlug der Defi an und bei der letzten Episode hatte ich fast 90 Sekunden einen Herzkreislaufstillstand. Wenn der Arzt sich den Ausdruck der Episode ansieht und weiß im Gesicht wird, weiß man, dass es richtig knapp war.

Im Juni, bei uns im Dorf im Sauerland war Schützenfest, ging es mal wieder mit dem RTW ins hiesige Krankenhaus und von da aus nach Bad Oeynhausen. Nachdem zwischenzeitlich im Mai die U-Listung gelaufen ist, wurde nun die HU-Listung ins Auge genommen. Nach vielem Hin- und Herprobieren um mich mit neuen Medikamenten zumindest übergangsweise nach Hause zu entlassen, lief drei Wochen nach der Einlieferung die erfolgreiche Meldung in Leiden bei Eurotransplant.

Jetzt mussten nur noch knappe sechs Monate, viele Nerven und Tränen ins Land gehen, bis der OA und der Koordinator am 25.11.2014 bei mir im Zimmer standen und mich fragten ob ich heute schon was vor hätte, sie wollten gerne heute transplantieren. Da wir uns gegenseitig immer mit Nachfragen über Angebote und Transplantationsdaten aufgezogen haben, hielt ich das erstmal für einen Witz; zumindest solange, bis Schwester Maike (die mich übrigens auf den Kalender dieses Jahr aufmerksam gemacht hat; liebe Grüße an dieser Stelle!) auf einmal mit den Händen voll Vorbereitungsklamotten und grinsend im Zimmer stand.
Nach nur 30 Minuten Vorbereitungszeit stand ich vor dem OP und habe da erst wirklich realisiert, dass es jetzt tatsächlich passiert!

Wie der Chirurg mir durch die Psychologin vor der OP hat durchgeben lassen, habe ich ein wunderbares, neues Herz bekommen, das es mir ermöglicht wieder am normalen Leben teilhaben zu können und meinen Weg zu gehen.
Ich bin wieder an der Uni zurückgemeldet, genieße die Spaziergänge mit meinem Hund durch die heimischen Wälder und mache, soweit es möglich ist, wieder Sport.
Wenn alles mit „Emma“ weiterhin so gut läuft, trete ich kommenden Sommer wieder bei den Deutschen Meisterschaften der Transplantierten und Dialysepatienten an und vielleicht sogar bei den Weltmeisterschaften in Malaga.

Ich danke meinem Organspender und seiner/ihrer Familie jeden Tag für das beste Geschenk meines Lebens, es leuchtet immer eine Kerze unter dem Bild (einem Echo-Ausdruck) meines Spenderkindes.

Wünsche habe ich für Weihnachten nicht mehr, es ist einfach nur schön gesund und mit Familie und Freunden am Tisch zu sitzen und die gemeinsame Zeit zu genießen, es gibt wichtigere Dinge als die, die man kaufen kann 😊
Ich wünsche euch allen von Herzen ein frohes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch und viel Gesundheit für das neue Jahr!

Auf diesem Wege möchte ich allen danken, die mir geholfen haben so weit zu kommen und mich auf dem Weg immer unterstützt haben, vor allem meine Freunde und alle Blauen Engelchen von der HTX-Station in Bad Oeynhausen 😗

Danke, dass ich euch meinen „Roman“ schreiben durfte 😊

***Liebe Grüße von Brigitte***

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