20. Dezember…

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Wir hatten hier bislang immer wieder Geschichten über Lebendspenden, aber die heutige Geschichte ist mal wieder ein Novum für uns! Eine erwachsene Verwandte spendet einem Kind den Teil ihrer Leber! Und es sieht so aus, als ob es großartig funktioniert hätte ? wir wünschen Klara, ihrer Tante und der ganzen Familie von Herzem alles Gute ?

Mein Name ist Laura, ich bin Mutter von zwei äußerst tollen Kindern, mein Sohn ist vier, unsere Tochter Klara kam im Februar diesen Jahres auf die Welt. Im Alter von acht Wochen stellte sich heraus, dass sie an einer Gallengangsatresie leidet und leider war es für eine Kasai-OP bereits zu spät.

Von diesem Zeitpunkt an begann eine Zeit, die wir nicht noch einmal erleben wollen. Die Krankenhäuser wurden unsere zweite Heimat. Weil es nach Einschätzung der Ärzte für ein Organ von der Eurotransplant-Liste aufgrund ihrer Größe und noch verbleibenden Zeit sehr knapp werden würde, entschieden wir, in der Familie nach einem passenden Spender zu suchen.

Wie sich herausstellte, war die Leber meiner Schwägerin perfekt, und, wie soll ich ihr dafür jemals genug danken, war sie sofort bereit, ein Stück zu spenden. Wir hatten das riesengroße Glück einen Termin an der MHH in Hannover zubekommen. Als ich mit meiner Tochter nach fast vier Monaten Bangen und Ungewissheit im Rettungswagen Richtung Hannover saß, die Fahrt dauerte fast zehn Stunden, durchlebete ich ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits war dort eine riesen Freude, dass unserem Baby bald geholfen wird. Und andererseits die Angst, dass Klara oder meiner Schwägerin etwas passieren könnte.

In Hannover angekommen, zerstreuten sich meine Befürchtungen augenblicklich. Das hohe Maß an Professionalität und Menschlichkeit ist wirklich beachtenswert, ich danke jedem einzelnen Beteiligten, von den Ärzten bis zum Pflegepersonal, ihr habt unserem Kind das Leben gerettet. Die OP verlief für beide Damen wie im Bilderbuch, meine Schwägerin zehn Tage danach heimwärts, wir nach drei Wochen. Am Abend, bevor ich mit meiner Tochter nachhause fuhr, war ich in einem Supermarkt in Krankenhausnähe die letzten Sachen für die große Fahrt einkaufen. Und obwohl das erst Mitte September war, stellte sich bei mir ein Gefühl ein, als wäre es ein Tag vor Weihnachten und ich würde die letzten Besorgungen tätigen. Nach fast acht Wochen würden wir wieder zu unserer Familie, Freunden, ins vertraute Heim kommen, zu diesem Zeitpunkt habe ich meinen Sohn schon fast sieben Wochen nicht mehr gesehen. Zuhause angekommen, lebten wir uns augenblicklich wieder ein, wir hatten das Glück, dass bis dato keine Probleme auftraten.

Was mir im Nachhinein betrachtet sehr stark aufgefallen ist, ist dass man an seinen Aufgaben im Leben wächst. Letztes Jahr um diese Zeit, wäre das alles für uns absolut unvorstellbar gewesen. Nach der ersten Diagnosenstellung stellte sich die Frage, wie geht alles weiter? Wie erklär ich das meinem Sohn? Wie schaff ich es Familie und Krankenhaus unter einen Hut zu bringen? Wie wird sich das aufgrund der enormen Extrakosten alles finanziell ausgehen? Fazit ist, es geht. Es geht alles!

In dieser Krise ist unsere Familie automatisch zusammengerückt, jeder, von Oma,Onkel,Geschwister,Tanten usw. hat sein Bestes getan. Wir waren nie alleine. In unserem Freundeskreis hat sich auch herauskristallisiert, wer ein Freund ist und wer doch nur ein Bekannter. Manche Menschen sind auf Abstand gegangen, vielleicht, weil das alles auch für sie sehr schwer zu ertragen war. Und andere waren auf einmal da. Boten ihre Hilfe an, hatten ein offenes Ohr, oder brachten einfach ein wenig Normalität in unser Leben zurück.

Die absolute Heldin der Geschichte ist meine Schwägerin, ich liebe sie! Dieses Jahr feiern wir das erste mal Weihnachten mit Klara, wenn ich zurückdenke, letztes Jahr war sie noch in meinem Bauch, hatten wir keine Vorstellung was auf uns zukommen würde. Und diese Jahr haben wir praktisch fast alles hinter uns. Meine Wünsche sind alles in Erfüllung gegangen. Ich wünsche mir für Weihnachten nur, dass es noch bei vielen Menschen so unproblematisch ablaufen kann, wie es bei uns war.

Danke!

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