3. Dezember..

Tx-AdventskalenderAdventskalender 20180 Comments

Die erste neue Geschichte dieses Jahres stammt von Christian. Sie ist ziemlich lang, aber liest sich spannend und aufwühlend wie ein Krimi! Deswegen diesmal keine langen Worte von uns, sondern mit den allerbesten Wünschen für Christian einfach mitten rein:

Hallo alle zusammen!

ich heiße Christian und bin seit Mai 2017 Lebertransplantiert. Eine verrückte Geschichte: meine Frau ist gebürtig aus Südasien. Wir heirateten 2002 und sind auch seit 2001 immer öfters dort unten. Natürlich immer vorsorglich geimpft, seit 2008 auch auf Titer „geimpft“, welches ja auch zusätzlich Schutz bietet. Bis 2016 nicht immer regelmäßig, aber trotzdem vorsorglich die Impfung erfrischt. 2016 waren wir zum letzten Mal in Pakistan gewesen und immer „heile“ wieder heim gekommen. Soviel zur „Impf-Vorgeschichte“.

2016 haben wir ein eigenes Haus gebaut (nach dem Pakistan-Trip) und sind zur Erholung von Hausbau und Job 2017 im April nach Rhodos in den Urlaub geflogen. Die Auffrischung von Hep A/B bestand ja noch, da die Auffrischperiode erst wieder im Mai anstand. Auf Rhodos war es zwar zu kalt zum
baden, aber wir hatten aber in Faliraki ein All-Inclusive Kinderhotel gehabt und konnten uns echt 10 Tage entspannen.

Beide Kinder erkrankten jeweils einen Tag mit Fieber. Ansonsten haben wir natürlich essenstechnisch, Ausflüge etc. alles genossen was es zum genießen gibt. Am 20.04 sind wir zurückgekehrt und bis zum 05.05. habe ich wieder normal gearbeitet. An diesem Tag fang es mit einer Magen- und Darmverstimmung an (Erbrechen und Durchfall). Die Ärztin schrieb mich erst mal krank. Am 10.05. bekam ich ein Gelb im Augenweiß und am 12.5. war ich dann ganz gelb. Vormittags Blut abgenommen, wurde ich nachmittags von der Hausärztin und vom Gesundheitsamt angerufen – die mir dann Tipps gaben wie ich damit umzugehen habe (eigene Quarantäne, eigenes Klo benutzen, ruhen). Zwei Tage später kam die Hausärztin vorbei und teilte mir mit, dass ich auf jeden Fall mal in die Klinik gehen soll wegen zu hoher Leberwerte. Mir ging es nicht schlecht, ich war selbst mobil und fuhr mit meiner Frau in die Klinik. Dort angekommen wurde ich sofort von der Notaufnahme in die Isolation (Infektionsabteilung) gebracht und sollte hier die Nacht bleiben.

Am nächsten morgen kam der Sektionsleiter der Leberstation zu mir und teilte mir mit, dass meine Werte unaufhörlich steigen. Sie sind schon so hoch dass meine Leber in Kürze versagt und ich transplantiert werden muss. Ich fluchte ihn an, er solle den Scheiß aus mir rausholen, „denn ich habe morgen
eine wichtige Projektbesprechung um 10:00 Uhr.“ Die Klinik liegt genau neben meinem Arbeitgeber (10 Gehminuten). Es gab daraufhin ein sehr ernstes Gespräch, worin er mir sagte, dass ich derzeit kaum Überlebungschancen habe und im besten Fall noch 48 Stunden leben kann, bevor die Leber endgültig versagt. Er teilte auch mit, dass die Suche nach einer Leber bereits anläuft und ich aber bald in ein Koma falle. Ich habe das alles nicht wirklich realisieren können und versuchte mich erst mal damit zu beschäftigen. Ich schlief nach Beruhigungstabletten früh ein…..

Nachts und auch Morgens wurde ständig das Blut geprüft, quasi alle 4 Stunden. Der 16.05 (Dienstag) war recht kurz. Direkt morgens um 7 Uhr, meine Frau war bereits da, wurden Notmaßnahmen eingeleitet. Magen- und Darmspiegelung. Ich war völlig überrascht, als plötzlich zig Damen mit „Technik“ vor mir standen. Der Stationsarzt teilte mir mit, dass die Leberwerte jetzt extremst hoch waren und ein Versagen jederzeit möglich ist. Geschockt von der Info und beim verzweifelten Versuch die Magenspiegelung abzuwehren, fiel ich ins Koma. Die Magenspiegelung musste ohne Betäubung stattfinden, da jegliche Betäubung weitere Auswirkungen auf mein Bewusstsein hat. Hat alles nichts geholfen – ich fiel ins Koma. Komaträume, Nahtoderlebnisse und mehr suchten mich heim….

Ohne Zeitgefühl, jedoch mit offenen Ohren, bin ich vom Bewustsein irgendwann in der Ersten Juniwoche aufgewacht. Die Augen waren hier noch verschlossen, ich konnte aber reden. Ebenso verlangte ich nach Wasser/Trinken und fragte was passiert
sei. Ich konnte nichts wahrnehmen und ich war auch ans Bett gefesselt und die Augen waren geschlossen. Mir wurde mitgeteilt, dass ich nochmals operiert werde und nüchtern bleiben sollte. Nach drei weiteren Operationen, welche ich aber davor und danach bei Bewusstsein merkte, konnte ich auch die Augen öffnen. Ich habe mehrere Tage haluziniert- und war völlig realitätsfremd. Was ich alles durchmachte – und dass ich bei einer Chance von 0,01 % durch eine LTX überlebte.

Die Stufen zum Leben zurück danach in kurzen Worten: nur 2 Tage noch auf der ITS. Danach auf der Wach-ITS. 2 Wochen danach in der LTX-Normalstation der Chirurgie. Bereits auf der Wach-ITS habe ich im Bett trotz schwerer Betäubungsmedikation angefangen Beine und Arme zu trainieren (Bettfahrrad). 4 Wochen nach LTX bin ich den Gang schon mit Hilfe hoch- und runter gelaufen…..

Jetzt nur noch vieles im Zeitraffer, weil die Geschichte sonst zu lange wird: Entlassung zur AHB im Juli, allerdings war ich nur für drei Tage dort, weil ich Heimweh hatte. Nach Hause entlassen und ambulante Reha gemacht. Im September machte ich bereits eine Wiedereingliederung zur Arbeit in gemächlichen Schritten und ab Oktober bis November wieder in Vollzeit. Das war für den Körper zuviel. Es gab eine Abstoßungsreaktion. Bis Ende des Jahres gab ich mir dann die eigene verordnete Ruhe. Ich wog durch das Kortison bereits 92 Kilo bei 1,64 m Größe. Die GGT Werte stiegen sehr hoch. Ab Januar habe ich „Resturlaub“ genommen und Anfang Februar wieder vollzeit eingestiegen- und eigentlich
normal bis April arbeiten gegangen. Ohne Cortison, ohne Schmerzen. Mir gings gut bei 73 Kilo. Zu Ostern 2018 habe ich einen CM-Virus bekommen, der eine Pneumenie entfachte. Die Klinik war sofort parat und hat alles erfolgreich bekämpft. Cortison wurde wieder eingeführt. Nachdem ich aber wieder bei 78 Kilo war habe ich es entgegen ärztlichen Rat selbst abgesetzt. Man wollte mich dann sogar wieder Operieren (Gallengänge) aber URPLÖTZLICH sanken die Leberwerte bis Normalbereich in wenigen Wochen. Dieser Zustand hält bis heute.

Im Mai war dann mein 1. Lebergeburtstag. Mein physischer Zustand wurde sogar noch durch eine Reha im August 2018 stabilisiert und war wichtig hinsichtlich einer erneuten schweren OP, die mir bevorstand. Ursache war eine Narbenhernie, welche schon ab Mai bekannt war. Ich habe diese OP ebenfalls erfolgreich überstanden, wiege nun mit eingesetzem Polymernetz stabil 67 kg. Meine Leberwerte sind nie außerhalb des Normbereichs mehr gefallen *auf Holz klopfe* ?

Was ist seitdem passiert? Ich treibe viel Sport, ernähre mich „gesund normal“ mit drei kleineren Malzeiten, 3 Liter am Tag trinken. Ich kann auch nicht so viel Essen, da der Magen auf das Netz drückt und Schmerzen verursacht (automatische Bremse). Ich bin mit mir, meinem Arbeitgeber und meiner Familie im Reinen. und gehe Stress aus dem Weg. Ich bin ehrenamtlich aktiv und achte auf mich. Es ist eine ganz andere Sichtweise auf das Leben.

Das war jetzt eine sehr lange Geschichte, aber ich hoffe man sieht auch an meiner Geschichte wie schnell es gehen kann. Ich danke meinem Spender, den Medizinern, allen Menschen, die mir in dieser Zeit geholfen haben und am meisten natürlich meiner Frau ❤️

Passt gut auf Euch auf!

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